BERLIN 1977-1980

West-Berlin, eine wirtschaftlich hochsubventionierte Insel, umgeben von der Mauer, Selbstschussanlagen und Stacheldraht, über der stets eine melancholische Finsternis zu schweben schien. Miron Zownirs Fotografien aus der geteilten Stadt dokumentieren den desillusionierten und doch rebellischen Zeitgeist der späten 1970er Jahre.

West Berlin. An economically highly subsidized island, surrounded by the wall, automatic firing systems and barbed wire, above which a melancholic darkness seemed to linger.  Miron Zownir's early works from the divided city document the disillusioned yet rebellious zeitgeist of the late 1970s.

selected photographs
 

PHOTO BOOK "BERLIN NOIR" (2017)

Zownir hält in seiner frühen Berlin Fotografie eine Zeit fest, auf die sich der düstere Schatten des Deutschen Herbstes gelegt hatte. Die kaltblütigen Morde der Rote Armee Fraktion, die Rasterfahndungen, die Entführung der Lufthansa Maschine Landshut, die Verschärfung der Terrorgesetzte, die Selbstmorde der Mitglieder der ersten RAF- Generation in Stammheim. All das hinterließ, verstärkt durch die mediale Terror-Berichterstattung in Echtzeit, eine allgemeine Atmosphäre des Misstrauens und der Angst in breiten Teilen der westdeutschen Gesellschaft. In dieser aufgeheizten politischen Stimmung spürte Zownir als junger Erwachsener mit seiner Kamera dem Großstadtleben in der geteilten Stadt in all seinen Widersprüchlichkeiten nach.

Miron Zownirs existentialistischen S/W Portraits zeigen Menschen, denen er auf den Straßen, in Clubs, in Tunneln oder auch in Bahnhofswartehallen begegnete. Im Mekka der Unangepassten gab es keine Sperrstunde und keine Wehrpflicht, dafür Hausbesetzungen, Demonstrationen, legendäre Punkkonzerte, heroinsüchtige Stricher und Obdachlose am Bahnhof Zoo. In seinen Fotografien findet sich der rebellische Weltschmerz der ersten Generation von Punks ebenso wieder, wie die Zerbrechlichkeit des Lebens im Allgemeinen. Sie spiegeln die soziale Perspektivlosigkeit von Aussteigern, Suchtkranken, Gelegenheitsarbeitern oder Wohnungslosen und dokumentieren die drastischen Auswirkungen der damaligen Wirtschaftskrise, ausgelöst durch die zweite Ölkrise 1979 und den Iran/Iraks Krieg.

Aber auch die mitunter apokalyptisch anmutenden Stadtlandschaften ziehen  Miron Zownir fotografisch an. Die Kriegsruinen, die entmieteten und bewusst dem Zerfall überlassenen Altbauten, die geisterhaften Abrisshäuser, die dem städtebaulichen Plan einer autogerechten Stadt im Wege standen, Brachflächen, die längst verschwunden sind, die abweisende und feindselige Mauer und die unheimliche Stille an der physiologischen und ideologischen Grenze zwischen Ost und West.

In his early Berlin photography, Zownir captures a time on which the dark shadow of the German Autumn had settled. The cold-blooded murders of the Red Army Faction, the dragnets, the tightening of terror laws, the suicides of the members of the first RAF generation in Stammheim. All of this, reinforced by real-time media coverage of terror, left a general atmosphere of mistrust and fear in broad sections of West German society.  Amidst theses explosive political and social tensions, Miron Zownir explores big city life in the divided city with all its contradictions.

Miron Zownir's existentialist b/w portraits show people he met on the streets, in clubs, in tunnels or train station waiting rooms. In the Mecca of the non-conformist, there were no curfews and no compulsory military service, but squats, demonstrations, legendary punk concerts, heroin-addicted hustlers and homeless people at Bahnhof Zoo. His photographs reflect the rebellious world-weariness of the first generation of punks as well as the fragility of life in general. They reflect the social lack of perspective of dropouts, addicts, casual workers or homeless people and document the drastic effects of the economic crisis of the time, triggered by the second oil crisis in 1979 and the Iran/Iraq war.

Also attracted by West-Berlin's urban landscapes Zownir photographed war ruins,  old buildings that have been stripped of their tenants and deliberately left to decay, ghostly demolition houses that stood in the way of the urban planning plan of a car-friendly city, wastelands that have long since disappeared, the unapproachable and hostile wall and the eerie silence all around the physiological and ideological border between East and West.

 

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